Vor dem Hintergrund der anhaltenden Gefahr von ad hoc GDL-Streiks und den damit verbundenen massiven Auswirkungen auf die Nordsee-Insel Sylt, deren Grundversorgung maßgeblich von der Zugverbindung abhängt, hatte die Nord-Ostsee-Bahn (NOB) die GDL (Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer) am 15. Juni nochmals schriftlich dazu aufgefordert, einer Vereinbarung über so genannte Notdienste zuzustimmen. Am Donnerstag, 30. Juni wurde nun erneut darüber verhandelt. Das Unternehmen war dazu extra nach Frankfurt/Main gereist. „Leider ist das Ergebnis äußerst unbefriedigend: Wie befürchtet war die GDL nicht bereit, zufriedenstellende Regelungen für die Insel Sylt zu treffen. Das ist für uns der Gipfel der Verantwortungslosigkeit. Damit trifft jeder folgende Streik erneut nicht allein das Unternehmen: Tausende Urlauber und die Sylt-Pendler werden darunter leiden. Die GDL hat jedes Maß für ihre Streikaktivitäten verloren", so NOB-Geschäftsführerin Martina Sandow.
Entsprechende Bemühungen der NOB um Ausnahmeregelungen für Sylt waren bereits in der Vergangenheit seitens der GDL zurückgewiesen worden. Sandow weiter: „Die Gewerkschaft ist lediglich bereit, über Kranken-, Schüler und Behindertentransporte sowie z.B. Notbesetzungen in der Leitzentrale zu verhandeln, nicht aber über die Sicherstellung der Sylter Grundversorgung. Da die Arbeitnehmer der Insel auf eine ausreichende Zugverbindung angewiesen sind, ist das ein Schlag ins Gesicht für die Sylter – die GDL lässt die Sylter sprichwörtlich im Regen stehen." Die NOB hatte die GDL aufgefordert, alle Pendlerzüge sowie die An- und Abreisetage Freitag, Samstag und Sonntag nicht zu bestreiken. Damit war das Unternehmen der GDL bereits entgegen gekommen, denn ursprünglich war das Ansinnen der NOB, die Insel komplett von den GDL-Streiks ausnehmen zu lassen.
Die Gefahr von ad hoc GDL-Streiks besteht weiterhin. Bei einem Streik gilt der Basisfahrplan. Dieser ist ein Auszug aus dem regulären Fahrplanangebot der NOB. Er beinhaltet auf den Strecken Kiel – Husum, Husum – Bad St. Peter-Ording sowie Kiel – Eckernförde einen 2-Stunden-Takt. Ergänzend werden Busse eingesetzt. Auf der Strecke Hamburg – Westerland fährt die NOB einen 2-Stunden-Takt und zusätzlich wichtige Pendlerzüge von und zur Insel.
Aktuelle Informationen zum laufenden Betrieb erhalten Fahrgäste unter www.nord-ostsee-bahn.de sowie über das Servicetelefon unter 0180/1018011 (3,9 Ct./Min. aus dem deutschen Festnetz, max. 42 Ct./Min. aus dem Mobilfunknetz). Aufgrund der Vielzahl der Anfragen kann es zu längeren Wartezeiten kommen. Die NOB bittet um Verständnis.
Hintergrund
Die NOB hatte der GDL bereits im März dieses Jahres ein überarbeitetes Angebot mit u.a. einer Lohnsteigerung von rund 5 Prozent und einer zusätzlichen Einmalzahlung unterbreitet, welches die GDL jedoch abgelehnt hat. Aktuell finden keine Verhandlungen statt, da die GDL das aktuelle Angebot darüber hinaus auch nicht als Einstieg in Verhandlungen akzeptiert. Die GDL, die als Spartengewerkschaft ausschließlich die Lokführer vertritt, möchte zudem einen bundesweiten Rahmenlokführer-Tarifvertrag mit Löhnen auf DB-Niveau abschließen; die NOB als regionales Unternehmen verhandelt jedoch ausschließlich auf Haustarif-Ebene. Mit der größeren der beiden Bahngewerkschaften, der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG, hat die NOB im Juni dieses Jahres einen Haustarifvertrag abgeschlossen. Geschäftsführerin Sandow dazu: „Die EVG vertritt berufsübergreifend alle Angestellten und garantiert einen fairen Tarifabschluss für alle Beschäftigten."
Die Strecken der NOB: Hamburg/Altona – Westerland, Kiel – Husum, Husum – Bad St. Peter-Ording sowie Kiel – Eckernförde.
Christiane Lage
Pressesprecherin
Ansprechpartnerin für Journalisten sowie für Medienvertreter (Dreh- und Fotogenehmigungen).